„Andrea Hess, Frohes, Neues“ in der Galerie Merkle, 2018

Einführungsrede Birgit Wiesenhütter, 19.1.2018

 

 

„Frohes“ und „Neues“ der Künstlerin Andrea Hess hängt hier in der Galerie Merkle an den Wänden und begrüßt uns am Jahresbeginn. Das bedeutet nicht, dass die Arbeiten nur Fröhlichkeit verbreiten, es bedeutet, dass sie voller Lebendigkeit und Atmosphäre sind, den Betrachter positiv ansprechen und berühren. Sie zeugen von einer Sensibilität und Tiefe sowohl der Wahrnehmung wie auch der Umsetzung, aber auch von Humor.

 

Die in Stuttgart geborene Künstlerin lebt und arbeitet in Freiburg i. Br., hat aber auch längere Zeit in Italien verbracht, in Carrara und Ravenna Bildhauerei studiert. Bei den Titeln mancher Arbeiten klingt die daher stammende Verbindung zur italienischen Sprache  noch an.

Dass Andrea Hess von der Bildhauerei her kommt, ist in ihren Arbeiten absolut spürbar und nachvollziehbar. Es bestimmt, wie sie sich künstlerisch ausdrückt, was nicht heißt, dass ihre Arbeiten alle dreidimensional sind. Hier in der Galerie Merkle zeigt sie Gipsobjekte aber auch Ölzeichnungen. Beide Werkarten entstehen in einer individuellen, von der Künstlerin entwickelten Technik.

 

Ihre „Ölzeichnungen“ entstehen in mehreren Schichten. Zuerst wird die Fläche mit Acrylfarbe farbig angelegt, dann wird alles mit Ölfarbe übermalt, sodass die ursprüngliche Farbigkeit nicht mehr zu sehen ist. In diese Farbschicht ritzt Andrea Hess ihre Zeichnung, solange die Ölfarbe noch nicht getrocknet ist. Die entstandenen Linien legen die Farbigkeit des Untergrundes frei. Bei einigen Werken arbeitet die Künstlerin einzelne Partien mit Graphit aus, manchmal liegt eine Graphitzeichnung auch unter den Farbschichten.

Das Motiv entsteht aus der Betrachtung der noch unverletzten Ölschicht. Die Künstlerin nimmt es aus ihrer Erinnerung. Es sind innere Bilder, die sie nicht erfindet, sondern gesehen hat. Die unterlegte Farbigkeit dient als atmosphärische Grundlage für die Findung des Motivs. Mit nur wenige Linien bringt sie das Bild ihrer Imagination auf den Malgrund. Obwohl das strahlende Kolorit ihrer Bilder an Malerei denken lässt, ist es das Zeichnen, die körperhafte Vorstellung im Zweidimensionalen umrisshaft darzustellen, was Andrea Hess interessiert. An der Akademie in Italien waren anatomische Zeichnungen Bestandteil des Studiums. Dort hat sie die Sicherheit, mit der sie nun die Linie einsetzt, geschult.

Dem leuchtenden Kolorit steht eine reduzierte Zeichnung entgegen, deren Linienführung die Körper umreißt und andeutet und dabei alles Nötige sagt. Strahlenden Farbflächen stehen dunkle, strukturierte entgegen. In den gezeichneten Strukturen leuchtet die Farbe wieder hervor. Es ist ein formales Austarieren – die Spannung muss stimmen. Alles Angedeutete reicht als Information, animiert den Betrachter zum Weiter-Sehen. Schattierungen sind in Andrea Hess' Zeichnungen nicht notwendig, um Räumlichkeit darzustellen. Ihr reicht die Form, der Umriss. Darin liegt bereits alles andere.

Andrea Hess' Ölzeichnungen zeigen Menschen, Gruppen, Begegnungen wie in einem zeitlosen Farbraum. In Schichten, die sich durchdringen, miteinander verwoben sind, ist für den Betrachter eine Ruhe und Innigkeit spürbar, die etwas Existentielles repräsentiert.

 

Kleine Motive in den Bildern, die farblich hervorstrahlen, hat die Künstlerin auf der Acrylschicht des Untergrundes abgeklebt, bevor die Ölschicht über alles gelegt wurde. Nach Fertigstellung der Zeichnung und nach dem Trocknen der Ölschicht wird die Abklebung entfernt. Sicherlich ein spannender Moment, wenn deren Wirkung im Bild sichtbar gemacht wird. Diese kleinen Attribute fallen koloristisch aber auch in ihrer Flächigkeit auf, brechen oft auch die Ernsthaftigkeit mancher Bilder, verhindern, dass sie schwer wirken könnten. Sie korrespondieren mit dem gezeichneten Motiv, kommentieren es manchmal auch, wie zum Beispiel in der Arbeit „volare“ (fliegen), wo wir eine kleine Friedenstaube mit einem Ölzweig im Schnabel finden.

 

Eine andere Werkgruppe ihrer Ölzeichnungen sind die sogenannten „Himmelsgefäße“. Hier arbeitet sie nach Fotografien. Denn diese „Gefäße“ des Himmels sind Silhouetten von Häusern und Straßenschluchten bestimmter Orte. Die Künstlerin beginnt ein Spiel mit Positiv- und Negativformen, die für den Betrachter vor- und zurückspringen. Der Titel zielt auf den dunklen, strukturierten Teil der Zeichnung, auf das „Gefäß“, doch koloristisch sticht die bizarre, fest begrenzte Form des Himmels hervor.

 

Diese Himmelsformen führt Andrea Hess im Dreidimensionalen weiter als eine Werkgruppe ihrer Gipsobjekte. Auch hier spielt die Linie eine wichtige Rolle für die Künstlerin. Sie zeichnet sie quasi mit der Nähmaschine. Sie näht einen Stoffbeutel, der als Gussform dient, und füllt ihn mit eingefärbtem Alabastergips. Nach dem Abbinden und Trocknen des Gipses wird der Stoff entfernt, die Naht bleibt als Umrisslinie scharfkantig im Relief sichtbar und bestimmt die eigentliche Form des Objekts. Die Struktur des Stoffes drückt sich an der Oberfläche des Objekts ab. Tatsächlich wirkt die Oberfläche oft, als wäre der Stoff noch da. Am liebsten würde man mal hinfassen, aber das verzeiht das Material nicht. Daher: Bitte nicht anfassen!

Mit der Struktur des gewählten Stoffes greift die Künstlerin formal ein. Manche Titel nehmen dies humorvoll auf, beispielsweise die Arbeit „Rom feingerippt“. Ein Stück Himmel über Rom erscheint nun als gänzlich gegenstandsloses Objekt mit einer gerippten Oberfläche.

 

Neben diesen Himmelsstücken in ihren bizarren Formen gibt es auch andere Wandobjekte aus Gips. Figürliches und Gegenstandsloses gehen bei diesen Arbeiten fließend ineinander über. Manche Formen scheinen völlig frei von Gegenständlichkeit, können aber dennoch an Figürliches erinnern. Die Arbeit „Sterntaler“ habe ich persönlich erst nach dem Lesen des Titels als Mädchen, das sein Kleidchen zum Sterne-Auffangen ausbreitet, sehen können – dann aber deutlich. Bei anderen, wie bei „Liberty“, der Silhouette der Freiheitsstatue, die als kleines Motiv auch in einer Ölzeichnung erscheint, ist der figürliche Ursprung klar erkennbar. Diese eher figürlichen Objekte machen deutlich, wie gut wir darauf geschult sind, die Haltung einer Figur zu deuten. Ob sie gebückt oder einer anderen zugeneigt ist, beeinflusst entscheidend, wie sie wahrgenommen wird, welche Gefühlswelt daraus entsteht, was sie ausstrahlt. Andrea Hess geht mit diesen Formen sehr sensibel um. In der plastischen Arbeit „Evergreen“ können wir zwei einander zugeneigte Köpfe erkennen, deren Nähe zueinander ohne sich zu berühren auf ein Liebespaar hindeutet. Der Titel „Evergreen“ bricht diese Innigkeit humorvoll ins Banale. Aber der Ausdruck von Zärtlichkeit und Menschlichkeit bleibt.

 

Andrea Hess bietet uns Farb- und Bildräume, Formen und Bildkörper an, deren sensible Gestaltung uns nie zu viel entgegenbringen, sondern spannungsvolle Kompositionen voller Atmosphäre und Ausstrahlung sind. Die inneren Bilder ihrer Erinnerung setzt sie ohne Pathos in atmosphärisch dichte, in berührende, in starke Bilder um. Es sind sehr persönliche Bildwerke, die aber nichts bloß stellen, sondern sehr direkt Gefühlswelten, ja Menschlichkeit transportieren.

In einem Gespräch über die Bilder von Andrea Hess mit einer älteren Dame, die zeitlebens professionell mit Kunst zu tun hatte und noch hat, sagte diese letztlich mit viel Bewunderung in der Stimme über die Künstlerin: „Wie mutig sie ist!“ Dem kann ich mich nur anschließen.

 

Birgit Wiesenhütter

Georg-Scholz-Haus Waldkirch. Andrea Hess und Alexander Schönfeld. Eröffnung: Sonntag, 2. April 2017. Einführung: Dr. Antje Lechleiter©, Freiburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Andrea Hess und Alexander Schönfeld sind heute zwei Künstler aus Freiburg zu Gast. Beide kannten sich vor dieser Ausstellung nur flüchtig, doch der Titel "shapes & shades" vereint ihre Werke sehr treffend,

 und es war schnell klar, dass sie mehrere Räume gemeinsam nutzen würden. Das ist hier unten, oben im Flur und im grün-roten Raum 4 der Fall.

Andrea Hess ist grundsätzlich am Thema Linie und an den Formen von Silhouetten interessiert. In der Ausstellung zeigt sie Ölzeichnungen sowie Gipsobjekte der Serien "Homeless" und "Himmel". Die Arbeiten hier im Raum zeigen, wie die Künstlerin über den Wechsel von Positiv-Negativ-Formen zu vexierbildhaften Erscheinungen gelangt. Mit der Verwandlungsfähigkeit von Bildgegenständen arbeitet sie auf vielfältige Weise. In ihrem Atelier habe ich kleine, farbige Fotoobjekte gesehen, die mir wie die Aufnahmen von schönen, altmeisterlichen Früchtestillleben erschienen. Beim genaueren Hinsehen entdeckte ich, dass auch Bierflaschen und schmutzige Aschenbecher zwischen den Äpfeln lagen. Andrea Hess erzählte mir, dass sie dieses "Stillleben" bei ihren Streifzügen durch die Stadt bei den Obdachlosen gefunden hat, die unter der Freiburger Schwabentorbrücke nächtigen. Die hier ausgestellten Gipsobjekte, die seit dem Jahr 2014 entstehen, zeigen nun auch die Menschen, die zu diesen Hinterlassenschaften gehören. Wir sehen sie zusammengekauert, zusammengesunken, neben ihren Hunden und mit ihren Schlafsäcken. Das übergeordnete Thema "homeless" also "Obdachlos" spiegelt sich intensiv in der Haltung der Figuren wider. In den Silhouetten dieser Menschen zeigt sich die ganze Hoffnungs- und Trostlosigkeit, die das Leben auf der Straße mit sich bringt.

Andrea Hess, die stets auf der Suche nach besonderen Umrissformen, nach arabesken Linienführungen ist, hat diese Objekte mit der Nähmaschine gezeichnet. Zunächst entstand ein Stoffsack, der als Gussform diente und mit eingefärbtem Gips befüllt wurde. Nach der Entfernung des Stoffes blieb die zart aufgeraute Textilstruktur auf der Oberfläche des Calziumsulfats erhalten und gleichzeitig umläuft die formgebende Stoffnaht wie bei einer Zeichnung das ausgehärtete Objekt mit einer scharf gezogenen Linie.

Die Gipsobjekte zeigen also gesehene Situationen, so auch wie sich zwei Figuren an einem Tisch gegenübersitzen oder wie sich Paare in der Umarmung und im Gespräch begegnen. Die unaufgeregte, unaufdringliche Weise, in der wir hier mit dem Thema "Mensch" konfrontiert werden, entfaltet einen hohen Wirkungsgrad. Andrea Hess' Objekte machen bewusst, wie viel Information in der Haltung einer Person steckt. Nur ein kleiner Schlenker, eine Wölbung oder Einbuchtung innerhalb der Linienführung entscheidet darüber, ob wir eine Person als vital und lebensbejahend oder als einsam und verzweifelt wahrnehmen.

Eng verwandt mit den Objekten sind die Ölzeichnungen. Auch hier geht es um Finden und nicht um Erfinden. Ausgangspunkt sind wieder in der Stadt gesehen oder erlebte Situationen, kleine Stillleben, die die Künstlerin in ihrer Erinnerung gespeichert oder mit der Kamera festgehalten hat. Die Umsetzung erfolgte dann im Atelier, hier bereitete sich Andrea Hess zunächst einen Untergrund, eine Bühne - für den Auftritt der Linie. Über eine Acrylschicht malte sie mit Öl und bezeichnete diese Fläche dann mit Graphit, der sofort stark mit der Ölfarbe amalgamierte. Die Künstlerin geht auch hier sehr prozesshaft vor, sie arbeitet mit reagierenden Materialien, mit denen sie einzelne Bildabschnitte verstecken und andere freilegen kann.

In den Ölzeichnungen der Serie "Himmelsgefäße"  wird das Firmament zu etwas klar Begrenztem, denn diese Werke zeigen Himmel über Städten. Die Künstlerin blickte zwischen den Häuserschluchten nach oben und erspähte - abhängig von der jeweiligen Architektur der Straßenzüge - bizarre Formationen, Himmelsfelder, die sie so nie hätte erfinden können. In der eben geschilderten Mischtechnik brachte sie diese Situationen auf das Papier und zog es auf Dibond auf. Die Himmel schweben nun als Bildobjekte vor der Wand, und diese Art der Präsentation verstärkt das vexierbildartige Vor- und Zurückspringen von Positiv-Negativ-Formen, den permanenten Wechsel zwischen den dunklen Häusern und dem blauen Stückchen Himmel. Das Ausloten der Beziehung zwischen den einzelnen Bildabschnitten führte dazu, dass Andrea Hess die Himmelsfelder auch aus ihrem Kontext herauslöste und als Gipsobjekte dreidimensional umsetzte. Aus ihren "Gefäßen" herausgenommen agieren diese Himmel nun vollkommen gegenstandsfrei, sie sind einfach da, faszinieren durch die Schönheit ihrer Kontur und leuchten mit ihrer delikaten Farbigkeit in den Raum - ganz ohne irgendetwas zu meinen oder zu wollen…

Auszug aus der Einführung anlässlich:

Ludger Lütkehaus: Die Heimholung. BBK Südbaden. Reihe Kunst + Literatur :: 8, Eröffnung im T66 am Sonntag, 30. April 2017. Einführung: Dr. Antje Lechleiter©, Freiburg:

Andrea Hess ist grundsätzlich am Thema Linie und an der Verwandlungsfähigkeit von Formen interessiert. Seit dem Jahr 2015 entstehen diese Gipsobjekte, für die die Künstlerin mit der Nähmaschine zeichnet. Denn zunächst entsteht ein Stoffsack, der dann mit eingefärbtem Gips befüllt wird. Da die Gipsobjekte über keine Binnenzeichnungen verfügen, konzentriert sich unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Konturlinie und hier zeigt sich, wie entscheidend die Haltung von Figuren für ihren Ausdruck ist. Andrea Hess meint mit "homeless" den Zustand der inneren und äußeren Heimatlosigkeit…

Italienischer Text von Andrea Del Guercio anlässlich der Ausstellung „Kaleidoskop“ 2017 in Padua; Übersetzung aus dem Italienischen:

Die schöpferische Kraft geschützter Räume

 

Auch wenn die Arbeiten von Andrea Hess sich dem Auge und den Sinnen unmittelbar erschließen mögen – vielleicht aufgrund der reduzierten Formensprache und der streng gewählten Ikonografie – wird tatsächlich hinter jedem Werk ein ausdrucksstarker, äußerst sensibler Prozess deutlich, der auch zahlreiche Werte und konzeptuell geschichtete Erfahrungen verdichtet; jedes plastische oder gemalte Einzelstück in der Folge und Weiterentwicklung dieses neuen Werkzyklus‘ entspricht der Serie von Übergängen, an denen sich technische Fragestellungen mit der sorgfältigen Abklärung von Gedanken und Gefühlen verbinden. Die Ergebnisse offenbaren die Größe eines seltenen und kostbaren künstlerischen Schaffens. Bereits bei der ersten im Atelier erfolgten Sichtung der zahlreichen „Skulptürchen“ aus Gips, die in „kleinen Erinnerungstheatern“ aufbewahrt werden und über die Wände verteilt auf ihre monochrome Fassung warten, spürte ich die Notwendigkeit, die wesentlichen Inhalte der Arbeit zu definieren; ich konnte insbesondere die entscheidende Funktion des Flickens und des Nähens ausmachen, also einer seit jeher weiblichen Tätigkeit. Indem sie den Konturen der Zeichnung über das Nähen folgt, definiert Andrea Hess nach dem Vorbild kleiner Stoffpuppen den Raum, den der schnell fest werdende Gips in halbflüssigem Zustand anschließend darin einnimmt und so die Struktur der Arbeit festlegt. Diese zwei einfachen und exakten Gegebenheiten bestimmen ein Kunstprojekt, das sich der Entbehrung und der Ausgrenzung widmet, und verleihen ihm Substanz; die Definition von Armseligkeit gewinnt sowohl durch das Flicken als auch durch die Beschaffenheit und Wertigkeit des eingesetzten Materials als Konzept künstlerischen Schaffens an ästhetischer Bedeutung. Zierlichkeit und Strenge, Zärtlichkeit und Gliederung scheinen die Inhalte des künstlerischen Schaffens von Andrea Hess zu sein, das nicht beschreibt, sondern sich der wesentlichen Erfahrbarkeit auf diesem Gebiet und einer vorhandenen, doch zum Schweigen gebrachten Menschlichkeit verschreibt. Sofern das bevorzugte Thema von Andrea Hess das der in Kargheit lebenden Menschen ist, setzt die Künstlerin ihm einen methodischen und wiederholbaren, den weiblichen Künsten zugeordneten Ansatz entgegen, der sich durch den Verweis auf die Ikonografie einer populären Frömmigkeit über Reliquien und Votivbildern bedient. Jedes ausdrucksstarke Fragment von Andrea Hess bildet eine zeitgenössische ausdrucksstarke Wirklichkeit, die mit dem Erbe der Kunstgeschichte eng verbunden ist; noch spezifischer scheint der Verweis auf das Kunsthandwerk, dessen oftmals anonymes Schaffen Werke hervorbringt, die sich durch ästhetische Qualität auszeichnen.

Die schöpferische Dimension von Andrea Hess wurde noch erweitert, als aus einem Schubladenschrank bei dieser ersten Begegnung im Atelier eine umfassende Serie sorgfältig angelegter Landschaftsmalereien auftauchte; es handelt sich um ihre zweite künstlerische Ausdrucksform, die über die Rückgabe von Lebensraum auf die Vereinzelung von Heimatlosen reagiert. Auch hier muss man den konzeptuellen Ansatz hervorheben, da er das Landschaftsbild bestimmt und sich oft in der romantischen Erscheinung des Schwarzwaldes oberhalb Freiburgs manifestiert; es handelt sich hier nicht um eine beschreibende oder naturalistische Annäherung, sondern um eine ästhetische Funktion mit moralischem Wert – die der Abspaltung und der Rückgabe des Planeten als identitätsstiftendes Territorium. Im Gegensatz zur Ärmlichkeit des Flickens und des Materials Gips ist hier die qualitative Fülle einer Malerei bezeichnend, die interessante Bezüge zur Miniaturmalerei aufweist.

Während die Anatomie der Plastiken wie bei Giottos „campana“ durch die monochrome Fassung definiert wird, findet die Mehrfarbigkeit in den Landschaften eine weitläufige Definition; während der Werkzyklus der „geschützten Skulpturen“ die Auffassung einer menschlichen Anonymität verzeichnet, ist in der Malerei eine aufmerksame und feine Beobachtung aller in ihr eindringlich beschriebenen Formen des Daseins spürbar.

E-Mail: hessandrea@web.de

Tel.: 0761/8814562

Gestaltung: Anselm Biehler

Fotos: © Bernhard Strauss, Andrea Hess